Mit Pauken und Trompeten.

Woodstocks

Bastian Schertel ist Influencer, Freelance Photorapher und Brand Ambassador von Wundr. Diesen Sommer hat er die Alpen von München nach Venedig überquert – zu Fuß. Und mit dabei: seine Wundrwatch. Sein Gastbeitrag erzählt davon von seiner persönlichen und beruflichen Entwicklung, durch welche er sein Hobby zum Beruf gemacht hat.

Mehr von Bastian auf Instagram.

 

Anfangs möchte ich gerne anmerken, dass dies nicht als einfacher „Influencer“ Artikel zu sehen ist. Warum ich diesen Artikel dennoch Wundr widme? Ganz einfach – weil ich erst durch die Wundrwatch gelernt habe im Moment zu leben. Und die Zusammenarbeit mir in vielen Situationen geholfen hat. Ich werde übrigens nicht dafür bezahlt diesen Artikel zu schreiben.

Mein erster Artikel für Wundr ist mittlerweile seit über einem Jahr online. In den Monaten danach habe ich nicht nur mich und die Zeit neu kennen gelernt, sondern habe es ebenso geschafft mein Hobby zum Beruf zu machen und meine Fotografie auf internationalen Kunstmessen zu platzieren. Wie ich das innerhalb eines Jahres geschafft habe und was eine fristlose Kündigung damit zu tun hat, erfahrt ihr im folgenden Text.

24.08.2017: der Tag, an dem wir nach 550km in Venedig ankamen.

Obwohl ich die Wochen zuvor wirklich ein großes Stück zu mir selbst finden konnte, war ich mit meinen Gedanken in der Zukunft und habe mich oft dabei erwischt wie ich des öfteren einen Schritt zu weit plane und meinen beruflichen Erfolg vor mein persönliches Wohl stelle.

Diese Beobachtung brachte mich in den darauf folgenden Tagen immer wieder zum grübeln, da ich der Meinung war auf ewig „zweigleisig“ fahren zu können.
Zum größten Teil war ich der Koch, welcher in einem führenden Schweizer Restaurants arbeitete. Zehn bis zwölf Stunden pro Tag war ich gefangen im goldenen Käfig. Nicht, dass es mir grundsätzlichen missfallen hätte dort zu arbeiten, es war sogar eine der besten Zeiten meines Lebens und ich würde die Erfahrung nicht missen wollen. Dennoch spürte ich, dass ich meine Kreativität nicht in einer gefliesten, mit Edelstahl bestückten Küche ausleben möchte.

Ein anderer Teil von mir schrie förmlich danach den Weg des Risikos zu gehen, um mein Hobby zum Beruf zu machen.

Photography

Da nichts so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheint, musste ich den Weg der Vernunft gehen und erstmal weiterhin als Koch arbeiten. So bin ich also erstmal wieder in meine Heimat, um dort in einem einfachen Restaurant zu arbeiten.

Warum ich nicht ins karriereorientierte Restaurant im Ausland zurück bin?

Zu dieser Zeit kam mir der folgende Satz besonders häufig ins Gedächtnis.

„Lebe nicht, um zu arbeiten, arbeite, um zu leben.“

Auch wenn es ein uralter Kalenderspruch ist, war er zu dieser Zeit maßgeblich an meiner Entscheidung beteiligt. Und da ich in meiner Heimat deutlich mehr Freizeit hatte, die ich wiederum in mein Hobby stecken konnte, folgte ich diesem Zitat. Das Momentum zu nutzen war essentiell, da ich durch die Alpenüberquerung eine sehr große Reichweite hatte.

Noch war ich ja weit davon entfernt meinen Traum als Fotograf zu leben. Weniger Netflix, mehr E-mails – das war meine Maxime für die darauffolgenden Wochen.

29.10.2017 – Auf Schalke

Ich bekam nach einem langen Auswahlverfahren die Gelegenheit, mir einen Namen in der Szene zu machen. Panasonic/Lumix – einer der Größten Kamerahersteller der Welt lud mich und ein paar ausgewählte Fotografen dazu ein, ihre neue Kamera während dem Biathlon auf Schalke zu testen. Da es in der Gastronomie alles andere als üblich ist zu dieser Zeit mal ein Wochenende frei zu machen, bin ich meinem damaligen Arbeitgeber bis heute zu tiefst dankbar, dass sie mich in meinem Vorhaben so unterstützt haben. Mit neuen Synergien und beschwingt durch ein positives Gefühl wurde ich nach dem Wochenende wieder nach Hause geflogen und konnte mich dem Alltag widmen.

09.12.2018 – Knock Knock

Booking.com – eines der größten Reiseportale der Welt klopfte per LinkedIn an meine Tür und fragte, ob ich als Freelancer bei ihnen anfangen wollen würde.
Gerade eben noch von Panasonic eingeladen und schon mache ich neben meinem normalen Job Urlaubsfotos für ein Reiseportal. Ich kam mir extrem wichtig vor und nutze die Energie, um noch härter und effizienter zu Arbeiten.

Leider war dieser Vertrag nicht mein goldenes Ticket in die Fotografie – dennoch bin ich nach wie vor stolz auf diesen Arbeitgeber.

29. 01.2018 – Instagram connection

Ich weiß immer noch nicht, ob es an meiner Kontinuität lag oder ob es einfach so sein sollte.

Wie aus dem Nichts bekam ich auf Instagram eine Nachricht von der Social Media Art Gallery, welche durch meinen ersten Artikel für Wundr auf mich und meine Arbeit aufmerksam wurde.

Anna, die Kuratorin würde sich gerne mit mir treffen, um mich und meine Arbeit kennenzulernen.
Da ich nichts zu verlieren hatte, trafen wir uns ein paar Wochen später im verschneiten München, bei der „Before they pass away“ Ausstellung von dem Fotografen Jimmy Nelson – wer ihn und seine Arbeit noch nicht kennt, darf sich gerne über ihn Informieren, da sie mich sowohl emotional, als auch spirituell sehr berührt hat, empfehle ich sie sehr, sehr gerne weiter.
Umgeben von all den vor Geschichten nur so pulsierenden Fotografien, unterhielten wir uns für 2,5 Stunden über meine meine Arbeit als Koch, meine Fotografien, mein Leben und natürlich auch die Idee hinter der Social Media Art Gallery.

Einmal mehr verließ ich ein Meeting mit positiven Gefühlen, da ich in Kürze einen Vertrag erhalten würde, welcher mir es ermögliche meine Fotografien weltweit auszustellen.

Die erste Ausstellung war auch schon fix – in Hamburg von 17. bis 27.05.2018.

Trotz meiner „Erfolge” als Fotograf, musste ich immer noch Vollzeit als Koch arbeiten. Und langsam wurde es anstrengend immer 150% zu geben.
In dieser Zeit habe ich leider oft Freunde versetzt, einfach um ein paar Stunden für mich zu haben.

„Lebe nicht, um zu arbeiten, arbeite, um zu leben.“

Bislang war dieser Spruch meine Motivation, immer alles zu geben, da ich der Meinung war, ich müsse erst Vollgas geben, um dann das zu finden, was mich beruflich gesehen erfüllt… Bullshit!

Auch wenn es ein wenig egozentrisch klingt, aber ich habe mir damals mehrmals meinen Beitrag für Wundr durchgelesen, um meine Gedanken wieder neu auszurichten. Dabei fiel mir auf, dass es nicht nur um das Ziel geht. Es geht darum klar und geordnet auf dem Weg zu laufen; also musste ich erst laufen lernen, bevor ich sprinten will.

Für mich bedeutete das, auch mal einen kompletten Tag frei nehmen zu dürfen, um mich nicht wieder von einem zum anderen Ereignis zu hetzen.

Wenn man das metaphorisch betrachtet, dann kann man sich Sisyphus vorstellen, der einen rechteckigen Felsblock den Berg hinaufschieben soll. Auf der anderen Seite wäre die gleiche Situation gegeben, nur mit dem Unterschied, dass er sich diesmal die Zeit nimmt den Stein in eine runde Form zu bringen, bevor er seine Aufgabe antritt. Die Aufgabe und das Ziel sind die gleichen, nur der Weg ist einfacher.

Da ich nichtsdestotrotz ein kleiner Workaholic bin, und von allem um mich herum inspiriert werde und inspiriert werden muss, verbrachte ich meine freien Tage bald nicht mehr damit einfach nur zu relaxen, sondern fing wieder an in die Natur zu gehen.
Es musste nicht immer die Schweiz oder Österreich sein.
Zum damaligen Zeitpunkt war ich sehr oft in der näheren Umgebung unterwegs.
Wer mich bereits länger auf Instagram verfolgt, weiß, dass ich meine Zeit oft mit Freunden im Hirschbachtal verbracht habe. Die Idylle ist perfekt, um in kürzester Zeit vor der Hektik des Alltags zu entkommen.

In den stillen Momenten mit Freunden – oder auch alleine, bemerkte ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin und fing damit an mich noch intensiver auf die Fotografie zu konzentrieren.
Nachdem ich aber immer noch meinen Job als Koch hatte, musste dieser darunter leiden.

Meine Leistung in der Arbeit lies nach und ich tat nur noch das nötigste, um meinen Job zu erledigen. Keine Überstunden, keine Fleißaufgaben. Das fiel natürlich auch meinen Kollegen und meiner Chefin auf.
Was daraus resultierte, kann man sich sicher vorstellen…
Als ich dort anfing, war ich hoch motiviert und wollte alles verbessern. Sie wussten zwar von meinem Plan mich zukünftig beruflich in der Fotografie zu etablieren, allerdings hatten sie vermutlich nicht damit gerechnet, dass es so schnell klappen wird.

Wie dem auch sei. Ich versuchte auch in dieser Situation Souveränität an den Tag zu legen, um nicht als Kollegenschwein dazustehen.
Doch wie es nunmal leider ist, kann man sich nicht teilen, um auf zwei Hochzeiten zu tanzen. Irgendwann stolpert man eben dabei und fällt hoffentlich in die richtige Richtung.

19.05.2018 – Backstage, Baby!

Kurz bevor ich mich im Backstage eines Festivals im Saarland wiederfand wo ich unter anderem wunderbare Menschen / Rapper wie Wendja und EkoFresh kennen lernen durfte, hat mich über Instagram ein aufstrebender Rapper namens Manu Meta angeschrieben.
Er hat sich vor ein paar Tagen mit den Jungs von Wundr unterhalten und vor ihnen meine Arbeit gelobt, bis sie dann meinten „Jo, der arbeitet seit längerem für uns.“
Natürlich ist die Unterhaltung stark gekürzt und hat so sicher nicht 1:1 stattgefunden. Für die Details könnt ihr gerne Manu fragen, er erzählt euch die Geschichte sicher gerne. Dennoch war es einfach ein ziemlich witziger Zufall.

Wir blieben in Kontakt und ich hörte mir seine Musik auf Spotify und Apple Music an. Da ich die Texte sehr gut finde und sie Abseits vom Mainstream sind, wollte ich ihn persönlich kennen lernen. Bald daraufhin bot sich mir die Möglichkeit ihn am 19.05.2018 bei einem Festival Namens Rap Im Gau kennenzulernen.

Nachdem ich meine erste Ausstellung in Hamburg für ein paar Tage begleitete, ging es also mit dem Nachtzug in das Saarland, um dort vor dem Konzert – wie es sich für einen aufsteigenden Fotografen und einen gestandenen Rapper gehört – bei Opa und der Familie zu Frühstücken. Bestes Leben.

Zwei Tage später war ich dann auch schon wieder auf meiner eigentlichen Bühne… der Küche. Also… Back to reality und dem daily struggle.

Woodstock

12.07.2018 – Zeit die Jacke auszuziehen.

Während einer Diskussion mit meiner Vorgesetzten, hatte ich genug davon mein Leben nach den Vorstellungen der Gesellschaft zu führen und so entstand aus einer Kurzschlussreaktion vermutlich die beste Entscheidung meines Lebens.

„Wenn du keinen Bock mehr hast, dann geh bitte!“

-„Alles klar.“

Ich zog die Kochjacke aus und ging.

Einen Tag später durfte ich mir meine fristlose Kündigung abholen und war dennoch um gefühlte zwei Zentner leichter, da ich mich nun endlich entschieden hatte.

Zwar war mein Abschied begleitet durch Pauken und Trompeten ein wenig ungehobelt, dennoch war es die richtige Reaktion. Zwar im falschen Moment, aber man sucht es sich ja nicht immer aus.

Ausserdem habe ich durch diese Erfahrung nur wieder gelernt, dass es nichts bringt nach der Pfeife anderer zu tanzen. Man ist immer nur so frei, wie man es sich selbst zutraut.

Was Ihr bis zu diesem Zeitpunk noch nicht wisst, ist dass ich bereits zwei Monate vorher eine extrem große Chance bekam.

24.05.2018 – Kein Anzug für mich

Um 5:30 ging es für mich im Zug von Amberg nach Stuttgart, um mich dort im Maritim Hotel mit den Recruiting Agents von AIDA zu treffen. Neben mir bekamen noch ca. 15 weitere junge Menschen, die Chance sich für eine der beliebten Stellen zu beweisen.

Erst als ich dort ankam, umgeben von Anzug tragenden Bewerbern wurde mir bewusst, dass die Kombination aus Sportschuhen, Jeans, T-Shirt und einem Schnürsenkel als Gürtel vielleicht nicht das richtige Outfit war, um dort vorzusprechen. Aber gut… mir war es egal, es ging ja um meine Arbeit und nicht mein Outfit und im Endeffekt ist es auch sicherlich Teil meines Charmes.

Nach einer kleinen Vorstellungsrunde und einer Präsentation seitens AIDA gab es für uns alle einen theoretischen, fachbezogenen Fragebogen bestehend aus 27 Fragen.
Da ich ja eigentlich keine Ahnung von der Fotografie hatte, wurde mir zu diesem Zeitpunkt das erste mal ein wenig unwohl in der Magenregion. Egal… Professionalität ausstrahlen, trotz völliger Ahnungslosigkeit.

10 Minuten später musste ich auch schon wieder Schmunzeln, denn ich war als erster damit fertig. Ob das nun ein gutes Zeichen war so schnell damit abzuschließen, wusste ich auch noch nicht wirklich. Aber hey… nach besten Wissen und Gewissen arbeitete ich den Bogen ab, welchen ich übrigens mit Bravour bestand, wie es sich später herausstellte.

40 Minuten Pause.

„Kurz mit den Eltern und Freunden telefonieren und aus Spaß jedem erzählen ich hätte den Job schon fix“ – gehören übrigens zu meinen zwei Lieblings Beschäftigungen. So habe ich auch diese Pause genutzt um beides auszuleben, auch wenn ich nicht wusste wie es ausgehen wird.

Nach der Pause ging es direkt in ein Einzelgespräch mit den Recruitern, um ein persönliches Bild von jedem zu bekommen. 10 Minuten Gespräche auf Englisch, 10 Minuten fachbezogenes und 5 Minuten Smalltalk. Danach hatte ich meinen Vertrag in der Hand und wurde herzlichst als neues Crewmitglied begrüßt. Mein Vertrag würde ab dem 13.07.2018 starten.

Entweder war es die Macht der Manifestation, mein Portfolio, Glück, Charme oder eine gesunde Mischung aus allem, die mir verhalf diesen Job zu bekommen.

Aida

28.08.2018 – Sailaway

Nun bin ich seit knapp zwei Monaten an Board der AIDAPrima und würde keinen einzigen Tag in mein altes Leben zurück wollen.

All das habe ich nicht nur mir zu verdanken, sondern vor allem meiner Familie, meinen Freunden und Sponsoren. Jeder der in den vergangenen Jahren an mich geglaubt hat, war und ist Teil meiner sicherlich noch lang anhaltenden Reise zu unbekannten Horizonten.

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